Dienstag, 5. Juli 2016

3. Wettkampf der zweiten Bundesliga Nord, Grimma, 03.07.2016


Und wenn Du denkst es geht nichts mehr...
 
Zwei Wochen nach dem Rennen in Eutin stand bereits das dritte Rennen, gewissermaßen das Bergfest, der Bundesligasaison an. Am Orte des letztjährigen Finales, im beschaulichen Orte Grimma an der Rechtsbiegung der Mulde, erwartete uns kein einfacher Tag, das war uns von vorne rein bewusst.
Denn zum einen war das Format (Prolog aus Bike+Run und Jagdstart über die Sprintdistanz) so gar nicht unser Fall. Wie erst in Eutin bewiesen, beanspruchen wir für uns, das schwimmstärkste Team der Liga zu sein.  Somit gehen uns alle Wettkämpfen, bei denen das Schwimmen unterrepräsentiert ist, ziemlich gegen den Strich.
Zum anderen  war das Team stark gebeutelt. Unser Radspezialist Jonas Yoni Repmann konnte aufgrund einer Mandelentzündung nicht starten. Tom litt immer noch an den Nachwehen eines Magenvirus, Maurice und Lewin hatten sich beim Training so verausgabt, dass eine leichte Erkältung aufkam und Jonas Kleemann musste mit seinen 16 Jahren schon wieder aushelfen - keine leichte Aufgabe für jemanden, der überhaupt erst seit diesem Jahr Wettkämpfe über die Sprintdistanz macht. Unterstützt wurde das Team von Anton Clauß aus Leipzig, der allerdings aufgrund einer Schulterverletzung nur den Prolog bestreiten konnte.
Dennoch fuhren wir gut gelaunt in die sächsische Kleinstadt und verbrachten den Pre-Race-Saturday in gewohnt lockerer Atmosphäre,

nur gestört von einer gewohnt katastrophalen Wettkampfbesprechung, bei der die Überforderung der Kampfrichterleitung mit dem Wettkampf-Format mehr als offensichtlich wurde. Wenn man Teams finanziell bestraft für Nicht-Anwesenheit bei diesen Besprechungen, darf man jawohl verlangen, dass die Besprechungen auch einen wirklichen Mehrwert haben.
Nach einem langen Fußballabend klingelte der Wecker am Race-Day um 06.00, da der Start des Prologs auf 08.45 festgelegt war.
Nacheinander rollten die 18 Teams mit einem Startabstand von 30 Sekunden von der Startrampe auf die 13km lange Radstrecke, das Friesen-Team ging an fünfter Position ins Rennen.

Unser Plan war es von vornherein, dass Jonas 10km mitfahren sollte, um dann auszusteigen und die Kräfte für das Jagdrennen zu sparen. Dafür sollte Anton viel Führung fahren, für ihn sollte der Tag relativ kurz werden.
Unglücklicherweise erwischte Anton nicht den besten Tag auf dem Rad, sodass die anderen Teammitglieder dementsprechend mehr arbeiten mussten. Bereits beim Radfahren merkten wir, dass es nicht wirklich lief, unschwer daran zu erkennen, dass wir von drei Teams überholt wurden.
Nach dem Wechsel in die Laufschuhe standen drei Runden a 1,25km durch die grimmasche Altstadt an. Hierbei fand Lewin überhaupt nicht seinen Schritt und musste über die komplette Strecke geschoben werden.
Schnell war man sich im Ziel einig, dass das Rennen miserabel gelaufen war. Was uns dann aber als Nachricht ereilte, hatte sich niemand ausgemalt: Wir waren mit Abstand Letzter im Prolog geworden. Letzter! Alle anderen waren schneller. Wir waren nicht ansatzweise konkurrenzfähig in diesem Feld. Die Wartezeit bis zum Jagdstart war von großen Zweifeln geprägt. Warum macht man den ganzen Quatsch, trainiert unzählige Stunden jede Woche aufs Neue, richtet sein Leben nach dem Sport aus, um dann abgeschlagen Letzter zu werden? Nach einer kurzen Abwägung zwischen direkter Heimfahrt, Ansteuerung der nächsten Kneipe oder doch einer aussichtlos erscheinende Aufholjagd gingen wir wenig motiviert Richtung Mulde, um unseren Wechselplatz einzurichten.
Als 18. der 18 Teams rannten wir 2:28 Minuten nach den führenden Kölnern und 28 Sekunden nach dem 17. Team (TVB 09, welche auch durch personelle Probleme keinen goldenen Tag erwischten) in die Mulde.

Maurice brach die Wellen, an seinen Füßen Lewin, dahinter Jonas und am Ende Tom.

Was dann passierte, macht uns immer noch stolz. Maurice, besser bekannt als Marek Spitz, schwamm in Ideallinie innerhalb von 200m die Lücke zum nächsten Team zu. Mittlerweile hatte sich ein Feld gebildet, welches man sich in Form einer langgezogenen Kette vorzustellen hat. Maurice interessierte sich herzlich wenig für das Tempo von anderen und knallte auf der linken Seite vorbei. Hierbei schwamm er, der Second Man Out Of The Water in Eutin, so schnell, dass er zwischendurch immer wieder ein paar Rückenzüge einbauen musste, um das Team zusammenzuhalten. Mit einer perfekten Teamleistung kamen wir zügig um die Wendeboje und nutzten auf dem Rückweg die Strömung ideal aus, indem wir, entgegen der anderen Teams, in der Mitte der Mulde schwammen. Mit dieser Leistung waren wir wieder im Rennen, wir hatten unser Gesicht zurück! Kein anderes Team schwamm derartig geschlossen effizient. Die Berechnungen ergaben, dass wir deutlich die schnellste Schwimmzeit (gemessen am vierten Starter eines Teams) erlangt hatten, alleine auf die führenden Kölner hatten wir 43 Sekunden gut gemacht.
Nach einem ebenso galanten Wechsel, bei dem wir abermals Zeit wettmachten, sprangen wir als zehntes Team auf die Räder. Die erste der drei Radrunden wurde zur Härteprüfung für das Team. Wir fuhren sehr zügig los und kamen hierbei an unsere Grenzen. 

Jonas musste daraufhin die weiteren Führungen auslassen, sodass Tom, Lewin und Maurice gezwungen waren, zu dritt zu führen, wobei letzterer zu Höchstformen auflief und mit seiner Performance die mangelnde personelle Besetzung kompensierte.
Zu unserem Glück wurden wir nach 8 km von den Teams aus Aachen und Uerdingen überholt. So konnten wir unter Beachtung des vorgeschriebenen Abstandes uns an den Jungs festbeißen, was für uns der Schlüssel zu der guten Radzeit war. Zudem übernahm Maurice immer mehr Führungsmeter, sodass sich vor allem Lewin für den abschließenden Lauf ausruhen konnte.
Mit ca. 10 Sekunden Rückstand auf die Team aus Aachen und Uerdingen ging das Friesen-Quartett auf die letzten 5 Laufkilometer dieses denkwürdigen Tages.
Durch ein ruhiges Loslaufen und ein konstantes Tempo sowie leichter Schiebeunterstützung gegen Ende konnte der zwölfte Platz ganz sicher ins Ziel gebracht werden, wobei wir im Schnitt schneller liefen als im Prolog.
Durch die nachträgliche Disqualifikation des Tri Teams Hamburg wurden wir am Ende sogar Elfter.
Im Ziel war die Freude größer als über die beiden neunten Plätze aus Gütersloh und Eutin. Hatten wir vielleicht nicht das beste Ergebnis eingefahren, wurde uns bewusst, dass wir uns selbst, insbesondere unsere Selbstzweifel, in dieser einen Stunde des Jagdrennes besiegt hatten. Gerade für diese Momente leben wir den Sport.
Besonders erwähnenswert ist  die Leistung von Jonas Kleemann, der für seinen Namensvetter kurzfristig einsprang und zeigte, welches Potential er schon jetzt im Alter von 16 Jahren besitzt. Wäre Jonas nicht (mittlerweile fester) Bestandteil unseres Teams, wäre die Saison anders verlaufen.
Ebenso darf nicht verschwiegen werden, wie stark Maurice an diesem Wochenende war. In der Rolle des Kapitäns richtete er vor, während und nach dem Rennen klare Ansagen an das Team vor und zeigte selber vollen Einsatz. In dieser Verfassung wird er beim nächsten Rennen in Münster für eine Spitzenplatzierung sorgen können!
Nach diesem elften Platz ist das BSV Friesen-BerlinMan Team nun auf dem achten Platz der Tabelle, wobei das Mittelfeld eng beisammen ist.

In den kommenden zwei Wochen werden die Weh-Wehchen auskuriert und die Form hochgehalten. An der Motivation wird es nach diesem Jagdrennen nicht scheitern.
In Münster besteht dann endlich unsere Chance zu zeigen, was wirklich möglich ist. Wir werden die Chance nutzen!
Der Pressewart

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen